Wir Menschen sind nicht nur in einem steten Wandel begriffen, wir erfahren in uns auch geistige Verwandlungen. Einst führten wir eine geistlose, von Trieben geleitete Existenz. Inzwischen erwägen wird zwischen Gut und Böse, Richtig und Falsch. Ein Leben, jenseits der Bewertung ist uns noch fremd.
Jesus war die Welt des freien Geistes erschlossen. Er lehnte sich weder gegen die im Judentum geltenden fünf Bücher Moses auf, noch unterwarf er sich den dogmatischen Auslegungen durch den Klerus. Er sprach offen über seine eigenen inneren Wahrneh-mungen. Ein schriftliches Zeugnis liegt nicht vor.
Er hatte nicht den Anspruch, verstanden zu werden, denn er wusste, dass wir Menschen die innere wie die äussere Welt nur subjektiv aufzufassen vermögen, sei es im gebundenen, im reinen oder im freien Geist.
Solange wir geistig gebunden sind, bespiegeln wir an den Erscheinungen lediglich unser eigenes Wesen und sind im reinen und freien Geist noch blind. Wir werden von unserem Schicksal erlöst, sobald wir die Bedürftigkeit im reinen Geist sehen und im Selbstgespräch dem freien Geist begegnen.
Auch die Evangelien sind als Berichte aus der Selbstbespiegelung ihrer Verfasser zu sehen. Novalis hat fragmentarisch notiert: «Jedes Menschen Geschichte soll eine Bibel sein – wird eine Bibel sein.»